Biografie

Hans-Dieter Zingraff


"Ein Bild ist immer ein Abenteuer. Ich gehe den Weg des Entstehens.
Und wenn es fertig ist, bleibt auch für mich immer etwas Unerklärbares."

Hans-Dieter Zingraff /März 2000







Lehr- und Studienjahre
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Katzen und kleiner Muck
Hans-Dieter Zingraff, 1947 als Sohn eines elektrotechnischen Revisionsunternehmers in Karlsruhe geboren, soll nach dem Wunsch seiner Eltern Ingenieur werden. Der schon früh kunstbegeisterte Junge hat jedoch andere Pläne: "Während die anderen Kinder Fußball spielten, malte und zeichnete ich." Erster wegweisende Förderer und verständnisvoller Gesprächspartner wird dem 15Jährigen im Internat in Mannheim sein Kunsterzieher, der Bildhauer Karl Henning Seemann. "Seemann hat toll gearbeitet und mir viele Fragen beantwortet... Einmal führten wir zu Weihnachten im Internat unter seiner Leitung ein Schattenspiel auf, an dem ich maßgeblich beteiligt war. Die Aufführung war ein voller Erfolg und Seemann schenkte mir als Anerkennung direkt anschließend eines seiner Werke mit persönlicher Widmung." Den Seemannschen Linolschnitt "Pferd" (1960) bewahrt Zingraff als wichtiges Erinnerungsstück noch heute auf.

Vom Schulschattenspiel zum unverwechselbaren Zingraff-Stil ist ein weiter Weg. Und doch: Das Verhältnis von Licht, Bewegung und Raum bleibt zentrales Thema des Künstlers. Der junge Künstler setzt sich mit seiner Umwelt auseinander, besucht viele Museen. Im Badischen Kunstverein beeindruckt ihn 1964 eine Ausstellung mit Radierungen von Pablo Picasso.

Nach der Internatszeit fühlt sich Zingraff an der Karlsruher Ingenieurschule nicht wohl. 1969 wird er Privatschüler bei Dieter Rick, ausgebildeter Kunstlehrer und Dozent der Karlsruher Kunstakademie. "Und dann fing es an, dass ich alle möglichen Ideen hatte, die Rick aufnahm und mir dann bei der technischen Umsetzung half." Die Ausbildung ist solide und vielseitig: Malen, Zeichnen, Kunst am Bau, Möbeldesign, Glasmalerei und Werbegraphik. 1970 malt Zingraff das Treppenhaus im elterlichen Haus in der Stephanienstraße 14 in Karlsruhe aus. Er plant die Darstellung bühnenhaft illusionistischer Räume, von denen Besucher auf den ersten Blick glauben sollen, sie betreten zu können. Dazu müssen Perspektive und Lichtführung dieses "Gedankengebäudes" in Schwarz-Weiß penibel und konsequent ausgetüftelt werden, weil kein fester Betrachterstandpunkt gegeben ist: "Eine rein mathematisch-perspektivische Darstellung hätte nichts gebracht, weil die optische Täuschung ja für Menschen in Bewegung, für die Treppe heraufkommende Personen gedacht war." Das nach rein optischer Erfahrung erarbeitete Ordnungsgefüge gelingt, suggeriert Dreidimensionalität, weitet die Enge des realen Raumes und verliert sich im imaginären Bildkontinuum, gibt Einblick ins Nichts. Das hier schon früh konstatierte Interesse an Wahrnehmung, an Trompe-l'oeil, der Verblüffung durch Augentäuschung dank gemalter Raumillusion, die Beziehung von Sein und Schein bestimmt Zingraffs gesamtes Oeuvre.

"Damit ich mich konzentriere und diszipliniere, empfahl mir Rick in dieser Phase, mich auf Schwarz-Weiß zu beschränken, weil er fürchtete, dass ich mich andernfalls verzetteln könnte." Diese Empfehlung nimmt Zingraff auch auf einigen seiner Studienreisen mit, bei denen er sich "neue optische Inspirationen" holt. In der Türkei beispielsweise entstehen 1969 flüchtig aquarellierte Landschaften in Schwarz-Weiß, zum Beispiel die "Bachlandschaft" und ausgearbeitete, mit Spritztechnik kombinierte Architekturskizzen, darunter "Ephesos" . Der kühn gewählte Ausschnitt eines Tempels mit Kapitell, klare Diagonalen, geballte Detailtreue im Zentrum und strukturell verschieden behandelte Flächen nehmen in der Ephesos-Skizze Prinzipien aus Zingraffs späteren, konstruktivistischen Mischtechnik-Collagen vorweg. Das tut auch die "Gruppe" von 1971: In der Mitte eine Menschenmasse aus identischen Personensilhouetten; rechts vorn klebt die dafür benutzte Kartonschablone. Sie, die jedem Einzelnen der Masse Kontur verlieh, ruht nun im Abseits, setzt sich von der Gruppe ab: "Ich war oft unruhig, musste immer wieder allein sein, weggehen."

Obwohl, oder gerade weil der junge Künstler ohne jeden Schulzwang arbeitet, legt er großen Wert auf Selbstdisziplin. "Im Internat war alles auf die Minute geplant. Und jetzt war ich plötzlich ganz frei. Um mich nicht im anderen Extrem zu verlieren, traf ich mich fast täglich mit Rick zum gemeinsamen Arbeiten." In dieser Zeit entsteht unter anderem das Selbstporträt ( 1970) Ohne viele Worte, sparsam mit theoretischer Erklärung, korrigiert Rick die Arbeiten, leitet behutsam an, gibt die Richtung vor, ermutigt, stützt, lässt seinem Schüler viel Freiraum für eigene Entdeckungen, geht auf dessen Ideen ein. "Unsere Verständigung klappte auf künstlerischer Ebene. Rick leitete mich nur und oft fand ich dann die Antwort meiner Fragen selbst - beim Arbeiten." Auf der Suche nach seinen Ausdrucksmitteln experimentiert Zingraff beispielsweise mit Licht und Glas und versucht einen Kasten mit mehreren von hinten beleuchteten Scheiben zu bauen. Das Projekt scheitert. Scheiben und Lampe brauchen zu viel Tiefe. Viel später wird er auf reale Beleuchtung als Bildelement zurückkommen.


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"Pferd". Vorder- und Rückseite (1960)
Nach vielen Schwarz-Weiß-Arbeiten wendet sich Zingraff nun wieder stärker der Farbe zu. Auf Reisen entstehen Aquarelle wie "Pomeji", eine italienische Landschaft, die von einer grob gepflasterten Straße durchzogen wird. Wände und Decken seiner Wohnung in der Stephanienstraße in Karlsruhe überzieht er 1971 im Zeichen der Pop-Art mit Farbpunkten: Hatte er in seinem ersten Treppenhausbild mit kalkulierter Linien- und Lichtführung eine Wand optisch geöffnet, ist es jetzt die Summe farbiger Punkte, die Grenzen eines ganzen Raumes - vom Boden bis zur Decke - verwischt, negiert, natürliche Beleuchtung verstärkt und schwächt.

Mit geometrischen und surreal-figurativen Mustern malt er 1971/72 das Treppenhaus im Haus seiner Schwester in der Karlsruher Marie-Curie-Strasse aus. Im komplexen Gefüge von Farben und Flächen steht eine menschliche Gestalt, die nach oben blickt. "Die Gestalt habe ich in Anlehnung an El Greco gemalt, ein Maler, der mich sehr begeistert. Mit dem intensiven Blick der Figur nach oben wollte ich zeigen, dass der Weg nach oben weitergeht, dass man sich nach oben arbeiten muss." Das Wandbild, das heute nicht mehr existiert, sah kurz nach der Fertigstellung ein Arzt. Begeistert beauftragte er den jungen Künstler den kleinen Eingangsbereich seiner Privatwohnung optisch zu vergrößern. Zingraff integrierten einen runden Spiegel in eine zweiteilige surrealistische Szene. Die Wirkung beruhte auf mehreren Ebenen: gemalte Landschaft, Spiegel, gemalter Raum und realer Raum Zarte Farben, intensive Lichtkontraste und harte Umrisse bestimmen das Stillleben "Steine im Glas" (1972). Während einer Brasilienreise aquarelliert er 1973 den "Karneval in Rio" als bunt opulentes Flimmern "eher im Stil Ricks und wie allgemein damals an der Akademie gearbeitet wurde. Ich merkte aber schnell, dass mir diese Richtung nicht lag". Von der Ölmalerei, die er vor allem vor der Ausbildung bei Rick als Hobby betrieb, wendet er sich nach wenigen Versuchen ab: "Ich stellte schnell fest, dass mich Ölmalerei damals nicht weiterbrachte. Es dauerte mir zu lange."

Es ist die Zeit intensiven Suchens. Der junge Zingraff ist nach allen Seiten offen, erforscht Mittel und Wege, probiert sich an Stilen, Techniken und Motiven, erkundet Themen und Inhalte in Kunsthandwerk, Design und freiem Schaffen. Privatlehrer Rick stellt entsprechende Aufgaben. Unter anderem entwirft Zingraff farbige Bleiverglasungen für Fenster, modelliert Möbelentwürfe für einen halbrunden Erker und zeichnet nach der Natur. In jenen Jahren unternimmt Zingraff den ersten Vorstoss in die sozialkritische Collage mit Pressefotos, darunter "Skandal um Finanzminister" (1972).


Bei der Arbeit lässt sich Zingraff von Musik inspirieren. Er hört Lou Rawls, Curtis Mayfield, Ray Charles, Duke Ellington, Dave Brubeck, Ella Fitzgerald, Oscar Peterson, Stan Getz, David Porter, Menphis Slim, Ahmad Jamal, Stevie Wonder, Herb Albert, Manhattan Transfer, Jimi Hendriks, Jacques Brell,...sieht gern Filme von Fassbinder und französische Produktionen, liest Heinrich Heine, Hermann Hesse, Somerset Maugham, Peter Handke, José Ortega y Gasset, Antoine de Saint-Exupéry, Helmut Heißenbüttel ("Heißenbüttels Gedichte hatten Collagencharakter"), ist Stammgast in der Karlsruher Studentenkneipe "Tangente", "wo oft interessante Ausstellungen gezeigt wurden, einmal sogar Zeichnungen von Kokoschka - einfach unglaublich!"
Zu Studienzwecken reist er in die Türkei, nach Frankreich, Jugoslawien, Griechenland, Italien. "Ich musste nach einiger Zeit einfach immer wieder raus, etwas Anderes sehen. Am liebsten das Meer. Ich bin gern unterwegs und sehe gern Neues." Und das hat sich bis heute nicht geändert.


1972 ist er bei der "Documenta 5" in Kassel zufällig in einer Besuchergruppe, mit der sich Joseph Beuys persönlich unterhält. "Diese Begegnung hat mich sehr beeeindruckt. Die 'Honigpumpe' von Beuys auch. Aber ansonsten war mir die Documenta zu dem Zeitpunkt zu nüchtern. Ich war damals gerade mit allen möglichen Stilen, Techniken und viel Farbe beschäftigt und daher froh, als ich aus der Ausstellung rauskam und den grünen Rasen sah. Die Nüchternheit der Documenta '72 habe ich erst viel später kapiert."
1972 trennen sich die Wege von Lehrer und Schüler. Rick zieht nach Brasilien.

Atelier in Spanien
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Atelier
Schon seit Jahren hatte der Künstler davon geträumt, irgendwo im Süden einen Turm am Meer zu bewohnen. Auf der Suche nach dem richtigen Ort fährt er mit einem Freund am Mittelmeer entlang. In Italien entscheidet sich Zingraff nach längerem Erwägen gegen Imperia, eine Ortschaft bei San Remo: "Der Ort hatte keine Ausstrahlung auf mich. Keine Atmosphäre." Zurück in Deutschland stößt Zingraff zufällig auf Inserate einer deutsch-spanischen Immobiliengesellschaft mit Angeboten in Dénia (Land Valencia). Im Mai 1972 kommt der Künstler zum ersten Mal in das Fischerdorf. Und als man ihm Grundstücke am Montgó mit Panoramablick auf Stadt und Küste zeigt, weiss er sofort: "Das ist es!" Obwohl er kein Wort Spanisch spricht, entscheidet er sich für dieses Land, konkret für Dénia: "Es war schon etwas verrückt. Aber mir war sofort intuitiv klar, dass es richtig war. Die Aussicht auf das Meer vereinte für mich viele Eindrücke meiner Reisen. Und die Stadt Dénia gefiel mir als Ort, der aus sich selbst lebt."

Im Frühjahr 1973 bezieht Zingraff sein Turmhaus am Montgó provisorisch, beginnt zuerst sein Atelier einzurichten. Zwischendurch fährt er immer wieder nach Deutschland. Unter anderem, zur Eröffnung seiner ersten Einzelausstellung: In Moosbach zeigt er in der Diskothek eines Freundes "Black Jack" eine Auswahl seiner Zeichnungen, Gemälde und Collagen. "Weil damals praktisch keiner der jüngeren Leute ins Museum ging, hatte ich die Idee, die Kunst dort zu zeigen, wohin die Leute gehen. Als Andy Warhol dann zehn Jahre später in einer Diskothek ausstellte, wurde das als Ereignis gefeiert."

Experimente mit Drogen sind damals beliebte "Gesellschaftsspiele". Nicht für Zingraff, der sich in einigen seiner Collagen konsequent gegen Drogenkonsum wendet. "Abgesehen von den fatalen Folgen von Drogenkonsum, bin ich auch als Künstler der Meinung, dass Drogen keine künstlerische Erweiterung bringen. Zumindest nicht für Maler."
Menschen und Dinge

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"Stress" (1976)
In Dénia findet Zingraff Zeit und Ruhe, um sich voll und ganz auf seine Kunst zu konzentrieren. Ausstellen will er zunächst nicht, "sondern erstmal weiterkommen, sich weiter entwickeln und einen guten Bestand erarbeiten". In den ersten Spanien-Jahren entstehen eine grosse Zahl surrealistischer, gesellschaftskritischer Werke, teilweise an Dada-Collagen Kurt Schwitters erinnernd, (obwohl sich Zingraff zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht mit den Arbeitend es Schweizers auseinandergesetzt hatte): Neben der Friedenstaube ringt ein Mann in "Stress" ums Überleben (1976), eine Kanone feuert als Symbol für die Begeisterung an Kriegsmaschinerie Schmutz , gesichtslos stehen Menschen in Gruppen und doch isoliert an der Haltestelle , Farbschlieren überziehen einen Fernsehapparat mit Regenbogen ... Aus echten Steinen, Blechdose und anderen Elementen besteht das Objektbild "Ertrunken". Teile eines Föns bilden in der grauen Szene "Besichtigung" die Ventilatoren, angeregt von der Belüftung im Tunnel von Lyon. In "Weltempfänger" ist der Teil eines solchen Gerätes Mittelpunkt. "Theater" (1975) ist der Titel eines Fundstück-Objektbildes mit einer Muschel zwischen zwei gedrechselten Holzelementen und einer oben eingebauten Lampe, die die surreale Theaterszene in bühnenhaftes Licht taucht . Wie dieses, nehmen einige andere Werke ästhetische Elemente der späteren Entwicklung voraus. Zum Beispiel "Valencia" . Zu sehen ist eine Hauswand, an der sich nach Abriss des einst direkt angebauten Nachbargebäudes Spuren wie Decken, Treppen und Tapeten aussen zeigen - Flächen verschiedener Strukturen und Farben. Das Motiv lieferte eine Wand ähnlicher Eigenschaften, die der Künstler zufällig in Valencia gesehen hatte. Das Bild gehört zu einer Mischtechnik-Collage-Serie, in denen neutrale Personen ohne Kopf - "Der Mensch als solcher" - agieren. In diesem Fall geht der M e n s c h an einem abgerissenen Haus vorbei, an den Trümmern der Geschichte der Menschen, die hier einst lebten. Realistisch gemalte Ausschnitte setzt der junge Künstler gegen rein abstrakte Farbe,- ein Prinzip, das er später in seinen Architekturstillleben in Collage-Mischtechnik verfeinert.


Zu der Serie der neutralen, menschlichen Figuren gehört auch "Agression" Fußgänger springen zur Seite, das Blickfeld des Fahrers ist verzerrt. Hier deutet sich stilistisch den später für Zingraffs Arbeiten charakteristischen Kontrast von gleichzeitig vorhandener und verneinter Perspektive an. Das Entweder-Oder wird zum Sowohl-Als-Auch.

Farbe und Form als Symbol

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"Wandbild" (1973-74)
Ähnliche Tendenzen zeigt die Komposition, die der Künstler nach Beschäftigung mit psychologischen Themen 1973 und 1974 an die Wand seines Turmzimmers in Dénia malt. Weiche und harte Konturen, Fläche und Raum, Tangente und Horizontale durchdringen sich. Kreise verbildlichen eine psychologische Situation. Neu ist hier Zingraffs Versuch, Farbe und Form als konkrete Symbole einzusetzen. "Ich, Es, Überich - Begriffe aus der Psychologie habe ich durch den Kreis und die zwei Halbkreise symbolisch eingesetzt. Zu dieser Zeit habe ich Bücher über psychologische Themen gelesen und wollte dieses Gedankenmodell in das Bild mit einbringen. Ich wollte eine ganz starke Wirkung. Wie der Turm das Zentrum des Hauses ist, steht der grosse Hauptkreis in der Mitte für das Ich. Ein Weg führt aus dem Alten ins Neue. Silber habe ich für das Es, Gold für das Über-Ich verwendet. Es war damals verpönt, Gold und Silber zu kombinieren. Aber darüber habe ich mich einfach hinweggesetzt. Weil die Malerei so still ist, suchte ich die maximale Kraft. So wie in der Musik... Als ich das Turmwandbild malte, hörte ich Hendriks. Das kann man nicht leise hören, denn Lautstärke ist Teil des Ausdrucks. Wie bei meinem Bild. Da ist die Grösse Teil der Aussage, Teil des Ausdrucks." Das Wandbild im Turmzimmer stellt insofern eine kompositorische Ausnahme dar, als der Kreis nicht zum Zingraffschen Stammrepertoire wird. "Kreise sind leicht und gefällig. Um gar nicht in die Gefahr zu kommen, verbot ich es mir einfach, Kreise zu benutzen."


Anfang der 70er Jahre entdeckt Zingraff Robert Rauschenberg als Vorbild: "Rauschenberg war so an der Zeit dran. Er traf den Nerv der Zeit, die ganze Stimmung auf der Suche, wie man sich ausdrücken kann. Ich wollte nie jemand nachmachen, sondern immer selber versuchen, wie ich etwas ausdrücken kann."

Erste Ausstellung in Spanien
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Mit Elario Calleja. CAPA (1979). Dénia
Nach drei bis vier Jahren seiner ersten intensiven Schaffensperiode in Spanien will Zingraff mit seinen Werken an die Öffentlichkeit gehen. Aktuelle Ereignisse verwehren ihm dies zunächst, denn nach Francos Tod 1975 zeigen die Galerien der Region bevorzugt Werke der während der Diktatur unterdrückten valencianischen Künstler. 1979 ist es dann soweit: Durch den befreundeten Maler Antoni Mahiques Lattur kommt der Kontakt mit Francisco Marí Manchón, Ausstellungsorganisator der Sparkasse CAPA (Caja de Ahorros Provincial de Alicante) zustande. Zingraff reicht eine Mappe mit Fotos seiner Arbeiten ein und Marí gibt dem deutschen Künstler eine Chance. Am 9. Mai beginnt um 20 Uhr die Vernissage im Ausstellungssaal der CAPA in Dénias Hauptstraße Calle Marqués de Campo. Zingraff zeigt 36 seiner seit 1973 entstandenen Werke, darunter "Technomorph" (1997) mit eingeklebten technischen Zeichnungen und Fotos von Autokarrosserie, Lautsprecher, Insekt, Druck eines Fotos mit Autoreifen, gemalte Flächen. Die Ausstellung erweist sich als voller Erfolg! "Es kamen überraschend viele Leute! Eine Nonne - sie war Lehrerin - fragte mich, ob sie mit ihrer Schulklasse kommen dürfe. Das fand ich enorm. Die Kinder schrieben über meine Bilder Aufsätze, die sie mir schenkten." Nicht nur Schüler, auch jede Menge Erwachsene sahen die Bilder des in Dénia lebenden Deutschen. Er verkauft elf Werke.

Neben Collagen und einigen Objektbildern ist unter den 36 Exponaten eine einzige Bleistiftzeichnung. Das Porträt einer Frau: lange blonde Haare, den Blick gedankenversunken nach links, lächelnd (1977). Es ist Mona, Zingraffs spätere Frau, die er 1974 in Dénia kennen gelernt hatte. Francisco Marí Manchón, Ausstellungsorganisator der Sparkasse CAPA, schreibt elf Jahre später in einem Ausstellungskatalog über Zingraff:

"Vor einigen Jahren versprach das malerische Werk von Hans Dieter Zingraff qualitativ besser als die in jener Zeit übliche Malerei zu werden. Mit der Zeit hat sich dieses Versprechen als echte Tatsachen bewahrheitet."
Körper, Raum und Auflösung

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"Bewegung" (1980)
Das viel versprechende Debüt in der CAPA von Dénia 1979 bildet den Auftakt eines intensiven Kontaktes zur Öffentlichkeit. Von nun an gehören Ausstellungen zum Alltag des Künstlers. 1980 zeigt Zingraff im Kulturhaus von Dénia, in der CAPA-Filiale in Altea und bei seiner ersten Ausstellung in einer Galerie - in der Galería Canem in Castellón - neue Werke ( In der Galerie am Tisch), darunter Bleistiftzeichnungen, die die Grenzen zwischen Darstellung und Wirklichkeit, Bildraum und realer Raum in Frage stellen: Das Tuch, an dem eine Frau zieht, reicht über das Format der Zeichnung "Bewegung" hinaus, schiebt sich vor die Szene. Der Umriss des Frauenporträts "Erinnerung" ist unregelmässig, erinnert an Scherben oder Papierfetzen. In "Schlafend" geht es um Körper, Raum und Auflösung. "Situation und Zeichnung - beides geht in eine andere Sphäre über."


In einer traumhaften Landschaft lehnt eine Rotgekleidete weltentrückt an einem Tor (1980). Oberflächen, teilweise aus Dosen gesprayte Farbnuancen, setzen Kontraste: Der fein ausgearbeitete Faltenwurf des roten Kleides, die wabenartige Struktur des Tores und der nebelhaft diffuse Raum. Wenige Versatzstücke stehen für Wirklichkeit, die Welt jedoch verflüchtigt sich. Von der Farbspraytechnik kommt Zingraff bald wieder ab, weil er mit gemalten Schattierungen zartere Farbstufen erzielt.

Stilistischer Umbruch

 

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"Bewegung mit Ernst Fuchs" (1980)
Waren die 70er Jahre für Zingraff eine Zeit des Suchens, konsolidiert er in den 80er Jahren seinen persönlichen Stil. Wichtige Werke des Übergangs entstehen 1981 "Halb bedeckt". Die Kompositionen sind auf wenige Elemente reduziert. Nüchterne Farbflächen und -streifen rahmen Faltenwurf , unruhige Collagestücke schweben in ansonsten streng konstruktivistischen Kompositionen. "Ich wollte mehr in die Fläche kommen, Struktur gegen Fläche und Linie setzen."


Im Jahr seines stilistischen Umbruchs erfährt Zingraff die erste grosse öffentliche Würdigung. Er ist wie Erwin Bechthold, Will Faber Hans Bloch und Eleonore Weil einer der insgesamt 16 "Deutschen Künstler in Spanien", die das "Instituto Alemán" im städtischen Kulturzentrum in Madrid im Mai 1981 mit der Ausstellung "Pintores Alemanes en España" ehrt. Unter den Vernissage-Gästen sind der deutsche Botschafter Dr. Lothar Lahn und Madrids Bürgermeister Enrique Tierno Galván. (Foto BM/Mona) Zingraff ist mit vier Bildern vertreten: "Schlafend", "Mann mit weißem Tuch" (1980), "Blaue Krawatte" (1980) und "Erinnerungen". Einen Tag nach Ausstellungseröffnung kommt der Kontakt mit der renommierten Madrider Galeristin Juana Mordó zustande, die Bilder Zingraffs in eine Gemeinschaftsausstellung aufnimmt; die beiden Werke "Begegnung mit Ernst Fuchs" ( 1980) und "Komposition 80" finden Käufer. 1981 gewinnt Zingraff mit "Auf dem Eis" den ersten Preis des Kleinformat-Wettbewerbs "Minicuadros" in Elda. "Mich interessierte nicht die Darstellung einer Eiskunstläuferin, sondern die Flächen und ihre Aufteilung im Raum. Das Bild wirkt sehr gegenständlich, aber ich habe die Position der Frau verändert. Deshalb ist die Darstellung gegenständlich und gleichzeitig nicht gegenständlich. Das habe ich damals ganz bewußt so gemacht. Wichtig war mir die Komposition, das Gegenständliche war zweitrangig." "Auf dem Eis" gehört zu den letzten Arbeiten, die Zingraff mit Titeln versieht. "Ein Titel schränkt die Freiheit des Betrachters ein, respektiert ihn nicht genügend." Mit Nummer und Jahreszahl markiert der Künstler von nun an jede seiner Mischtechnik-Arbeiten.

 

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Erster Preis des Kleinformat-Wettbewerbs "Minicuadros" in Elda
In einer Zeitungsrezension schreibt Marí Menchon 1980:
"Das Werk eines Künstlers einzuschätzen ist schwierig, weil man sich nicht in die Geisteshaltung, in der es der Künstler geschaffen hat, versetzen kann. Aber wir können uns zumindest annähern, oder glauben, uns annähern zu können. Denn wenn wir behutsam interpretieren, gibt das Werk einen Teil oder die ganze Botschaft des Künstlers Preis.
In den Arbeiten von Hans Dieter Zingraff spielen Botschaften, die dem Künstler ein dringendes Anliegen sind, eine große Rolle. Um sie umzusetzen, verwendet er Collage und Malerei, wobei er sich stärker auf die Collage konzentriert - einfach aber kraftvoll. Oft kombiniert er Malerei mit Collage und bietet große Räume und Linien, die dem Betrachter die Möglichkeit geben, sich in die Werke hineinzuversetzen, um ihre Mitteilungen zu empfangen.


ZINGRAFF läuft keine Gefahr, zu anekdotisch zu werden. Sowohl mit Collage wie in Malerei setzt er nur die allernotwendigsten Details mit größter Expressivität ein.
Und wieder einmal sehe ich meine Überzeugung bestätigt, dass ein Kunstwerk die Geisteshaltung des Künstlers widergibt. Auch bei Zingraff, der sich lieber in seiner Muttersprache äußert, weil ihm das Spanische schwerer fällt. Und wenn er sich ohne schöne Dolmetscherin ausdrücken müsste, bin ich mir ganz sicher, dass er sich dann der Malerei behelfen würde, in der er einen überaus reichen Wortschatz hat, um sich mitzuteilen."

Öffentliche Anerkennung

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Ausstellung mit Vicente Aguilera Cerni Im Museo de Villafamés (1987)
Die Direktorin des Bürgerzentrums "Centro Civico Social" in Alcorcón (Madrid) macht 1980 in Dénia Urlaub, sieht ausgestellte Arbeiten Zingraffs, sucht Kontakt zu dem Künstler und lädt ihn zur Teilnahme an dem nationalen Malwettbewerb "II Certamen Nacional Ciudad de Alcorcón" ein. Der Kunstkritiker Antonio de Santiago wird erstmals auf Zingraff aufmerksam. Drei Jahre später erinnert er sich bei der persönlichen Begegnung mit dem deutschen Künstler an seine Werke. Im selben Jahr beschließt die Komission des bedeutenden Museums für zeitgenössische Kunst "Museo Popular de Arte Contemporáneo" in Villafamés (Castellón) den Künstler aufzunehmen. Drei Werke werden gezeigt, sieben Jahre später eine große Einzelausstellung Zingraffs.


Obwohl das Bild "Formel I" (1982) sehr gegenständlich wirkt, bleibt Zingraff seinen abstrakt-künstlerischen Prinzipien auch hier treu: kühner Ausschnitt, Betonung der einzelnen Elemente als eigenwillige Teile eines Ganzen, Schwerpunkt der Horizontalen. Mit diesem ausschliesslich gemalten Bild ist Zingraff bei der "VIII Bienal Internacional de Deporte en las Bellas Artes" im El Retiro in Madrid mit dabei. Künstler aus 26 Ländern sind vertreten, Spaniens Königin ist Ehrenpräsidentin. Renommierte Kunstkritiker wie José de Castro Arines und Antonio de Santiago schreiben anerkennende Rezensionen. De Santiago:


"Betont werden müssen Zingraffs besondere Art der Komposition, mit vielen Blickwinkeln, die sich wie Fenster in verschiedene Richtungen öffnen und die Unruhe seiner Symbolik, die intensive geistige Auseinandersetzung widerspiegelt. Ebenso sein Gespür für harmonische Farbkontraste, .... Ernst, Zeitgeist, Genauigkeit und Tiefe dieses eindringlichen Künstlers verdienen besondere Aufmerksamkeit."

Geschwungene Formen

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"15/84" (1984)
Zwischen 1982 und 1985 entstehen eine Reihe von Arbeiten, die eine vorübergehende Abwendung von der strengen Geraden markieren, indem sie wieder auf geschwungene Formen und weiche Elemente zurückgreifen wie 23/82 , 7/83 und "112/85" . An Landschaftsbilder erinnernd gruppieren sich abstrakte Elemente an einer Horizontlinie im Zentrum der Bilder. Andere Arbeiten wie 7/8/83 und 7/10/83 nehmen Collage-Elemente mit Architekturmotiven vorweg. 1984 machen erstmals eingeklebte Spanplatten und Holzleisten die Bilder zu Reliefs ( 2/84), während umgekehrt scheinbar eingeklebte Fotographiestücke, wie die Motorradfeder in 5/84 , tatsächlich gemalt sind. Angeschnittene Buchstaben setzen in 15/84 kompositorische Akzente.


Im September 1983 zeigt Zingraff bei einer großen Einzelausstellung im Golfklub "La Moraleja" in Madrid eine Auswahl seiner Werke. Bei dieser Gelegenheit begegnen sich De Santiago, der den Text des Fallblattes zu dieser Ausstellung verfasst hat, und Zingraff zum ersten Mal persönlich. Der deutsche Botschafter muss sich bei der Eröffnung von seinem Kulturattaché vertreten lassen, weil sich Kanzler Kohl und Außenminister Genscher in Madrid aufhalten, bewirkt jedoch einen späteren Empfang. Zingraff wird persönlich von Kanzler Kohl am 18. Mai 1984 in die Deutsche Botschaft eingeladen.

Aufnahme in Spaniens Kunstszene

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"E. Späti Fabrikant" (1981)
Keine Frage: Zwischen 1983 und 1985 gelingt Zingraff ein wichtiger Schritt in die aktuelle spanische Kunstszene. Obwohl er in jenem "erlesenen" Kreis absoluter Neuling ist, entscheidet sich die Jury des 50. Herbstsalons (Salon de Otoño, Asociación Española de Pintores y Escultores) 1983 ein Bild des zum ersten Mal teilnehmenden deutschen Künstlers zu zeigen. "Ich war sehr überrascht, weil mich Freunde gewarnt hatten, man brauche Geduld, um in eine Jahres-Ausstellung des Salon de Otoño aufgenommen zu werden. Und mich nahmen sie gleich beim ersten Mal." Bei der bloßen Teilnahme soll es nicht lange bleiben. Im 51. Herbstsalon 1984 wird sein Bild 2/84 - unter 288 Teilnehmern - mit dem dritten Preis ausgezeichnet. In diesem Jahr entsteht das Bild "Unternehmer Späti". Der Schweizer Kunstfreund und -sammler Ernst Späti ist von Zingraffs Werken begeistert und kauft mehrere Arbeiten. Umgekehrt inspiriert er den Künstler zu einer groß formatigen, dreiteiligen Komposition mit seinem Porträt im "Mondrian"-Pullover und Collageelemente aus dem Katalog seiner Firma für Inneneinrichtungen.


Beim 52. Herbstsalon im folgenden Jahr wird das sechsteilige Bild 114/85, das als Gesamtkomposition und jedes der sechs Einzelbilder für sich geschlossene, in sich stimmige Einheiten bildet, mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Für Madrids Bürgermeister Enrique Tierno Galván, der dem deutschen Künstler gratuliert, ist dies sein letzter öffentlicher Auftritt.


Anlässlich der Einzelausstellung in der Madrider Galerie Sargadelos schreibt Kunstkritiker José de Castro Arines 1985:
"... Bilder geometrischer Ordnung, die der Wind der Leidenschaft stürmisch aus dem Gleichgewicht bringt und damit eine neue Ordnung schafft. Alle Teile dieses neuen Zusammenschlusses sind zerlegt und verformt wie Bilder, die sich erheben, um die Zusammenhänge der Natur neu und richtig darzustellen."


In den Medien findet diese Ausstellung ein starkes Echo. Am 5. März 1985 berichtet das öffentlich-rechtliche Fernsehen Spaniens TVE mehrmals über Zingraff und seine Werke, dessen Bekanntsheitsgrad in den folgenden Jahren weiter wächst.

Zurück zur Geraden

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"63/87" (1987)
Mitte der 80er Jahre fühlt sich Zingraff von seinen bis dahin recht eindeutig sozialkritischen Botschaften zusehends eingeengt: "Mich hinderten diese gezielt formulierten Themen an freier malerischer Gestaltung. Ich sagte mir, dass ich ja dann auch schreiben oder politisch arbeiten könnte. Das wollte ich aber nicht."


In dieser Zeit wendet sich der Künstler nach seiner Phase "weicher Linien und Formen" wieder der Geraden zu. Zingraffs persönlicher Konstruktivismus ist ausgebildet: Nuanciert gemalte Farbabstufungen, Schatten und Überschneidungen schenken die Illusion intakter Bildräume, reine Farbfelder und collagierte Architekturausschnitte stellen sie in Frage. Dieses Spiel zwischen Sein und Schein, das Zingraff nicht mehr loslässt. Durch Beschränkung auf Motivbereiche ohne Handlung, ohne Symbolik, ohne Allegorie, beschäftigt er sich in seinen Arbeiten ab Mitte der 80er Jahre, ganz gezielt mit den malerischen Möglichkeiten, räumliche und körperliche Erscheinungen darzustellen. Dabei konzentriert er sich auf formale und farbige Ordnung, Raumverschränkung, Gesamtkomposition. Formen und Farben sind elementar zusammengefasst und kühn komponiert. Das Triptychon 62/86 zeigt sein Interesse an mehrteiligen Kompositionen im Bezug innerhalb einer Komposition und im Bezug zu anderen Kompositionen.

Preise, Ausstellungen, Kunstmessen
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"Interart" (1988)
Zusammen mit dem baskischen Bildhauer Joxe Alberdi richtet Zingraff 1986 die Eröffnungsausstellung der Galeria Mona in Dénia aus. Im selben Jahr wird er wieder für die Sport-Bienale in Barcelona ausgewählt, zur " IX Bienal Internacional del Deporte en las Bellas Artes". Er zeigt "Der Große Preis der Formel 1" (1986). Dieses Bild geht zusammen mit 49 streng ausgewählten Werken anderer Künstler als Auslese der Elite dieser Ausstellung nach Sevilla. Ebenfalls wird er 1986 bei der Ausstellung des Madrider Patronatsfestes "San Isidro" ausgezeichnet. 1987 zeigt Zingraff seine Arbeiten in Madrid, La Rioja, Burgos und in Karlsruhe im neuen Gebäude der Mercedes-Hauptverwaltung. Die Einzelausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst in Villafamés findet statt.


Ab 1988 sind Werke von ihm jährlich auf der valencianischen Kunstmesse "Interart" am Stand der Galeria Mona zu sehen, die beim Debüt Zingraffs Werke zusammen mit Arbeiten von José Luis Perales, Luis Caruncho und Joxe Alberti vorstellt. Im Dezember gestaltet Zingraff das Titelblatt zur Weihnachtsausgabe der lokalen Wochenzeitung "Canfali" in Dénia. Nach langjähriger Tradition fordert die Redaktion jedes Jahr zu Weihnachten einen anderen renommierten Künstler auf, ihre Titelseite zu entwerfen.

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Ausstellung Zingraff in Ávila (1989)
1989 hat Zingraff eine Einzelausstellung im Stadtmuseum von Albacete (die Eröffnungsrede hält der bekannte Alicantiner Maler José Perézgil), ist auf dem internationalen Kunstforum in Barcelona "Biaf" (Barcelona International Art Forum) am Stand zusammen mit den Künstlern Antoni Saura, Antoni Clavé, Francisco Farreras und Jaume Rocamora vertreten, nimmt in Stuttgart/Killesberg an der Internationalen Präsentation zeitgenössischer Kunst und in Murcia an der "3 Bienale de Pintura" teil, richtet Einzelausstellungen in Salamanca, Valladolid, Zamora, Avila ( Avila) und Palencia sowie in Asturien (Avilés, Oviedo, Gijón, Mieres). Der Hochschulprofessor für moderne und zeitgenössische Kunst an der Universität von Madrid und Mitglied internationaler Verbände der Kunstkritiker, José Luis Morales y Marín, schreibt in diesem Jahr über Zingraff:
"Obwohl Hans-Dieter Zingraff in Karlsruhe/Deutschland geboren wurde, kann man ihn wegen der vielen Jahre, die er bei uns lebt, zu der Gruppe der spanischen Konstruktivisten zählen (...), darunter José María Iglesias, Luis Caruncho oder Gómez Perales. Das umfangreiche Werk Zingraffs ist jedoch nicht bloßer Konstruktivismus. Zu erkennen sind andere Wege des Erforschens, aber immer innerhalb des Geometrischen auf der Suche eines Gleichgewichts im kompositorischen Spiel und in der Kombination von Materialien (...)Es handelt sich um kein geschlossenes Oeuvre nach 'vollendeter', sich - wie zur Zeit bei so vielen Malern - widerholender Formel. Es ist vielmehr ein Reichtum an Konzepten und Variationen, in dem sich eine kontinuierlich, schlüssige Weiterentwicklung abzeichnet. Schon heute sind es Vorzeigestücke von höchster künstlertischer Treffsicherheit."


1990 zeigt Zingraff u.a. Werke auf der "Bienal Pintura-Escultura" in Almeria, in Barcelona bei der BIAF 90 und in dem "Colegio Universitario" in Zamora, wo die Stadtverwaltung eines seiner Werke ankauft. Und in diesem Jahr ist Zingraff wieder beim Herbstsalon vertreten. Es handelt sich um den 57. Herbstsalon. Unter den Eröffnungs-Gästen sind Spaniens Monarchen. "Ich wurde Königin Sofía als deutscher Künstler vorgestellt, der schon viele Jahre in Spanien arbeitet. Und sofort sprach sie in sehr gutem Deutsch mit mir." )

Starke Kontraste

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1991 schreibt der Kunstkritiker José María Iglesias anlässlich Zingraffs Einzelausstellung in der Galería del Palau in Valencia:
"Ausgeglichenheit. Das ist das Geheimnis einer Malerei, die sich auf farblich klare Werte und ausgewogene, harmonische Abstufungen konzentriert. Dadurch entsteht ungekünsteltes Licht, was in der gegenwärtigen Malerei selten ist und worin Zingraff ein Meister ersten Ranges ist."
In diesem Jahr lädt ihn das Rathaus von Madrid ein, anlässlich der Verleihung des Nobelpreises an Camilo José Cela ein Bild zu malen, das im Rahmen einer großen Ausstellung zu Ehren des spanischen Schriftstellers im Museum "Conde Duque" gezeigt wird. Heute befindet sich dieses Werk heute in der "Stiftung Cela".


Trotz der vielen Ausstellungen und gesellschaftlichen Verpflichtungen schafft Zingraff kontinuierlich neue Werke: Die Elemente reduzieren sich weiter auf wenige, klare Farbflächen und schmale Collagestreifen. Die eingeklebten Fotoausschnitte sind ungegenständliche Gestaltungselemente, die starke Kontraste zu den nuanciert schattierten Farbflächen bilden. José Garneria schreibt 1992 über Zingraffs Werke:
"Zingraffs Geometrismus ist subtil, poetisch. Und alles wirkt absolut realistisch, sowohl wegen der gleichmäßigen Farbflächen als auch wegen der Collage-Teile aus Design und Architektur."


Im Oktober 1992 zeigt Zingraff in der Galeria de Coleccionista in Madrid eine große Einzelausstellung. 1994 ist Zingraff nicht nur auf der Kunstmesse in Toulouse vertreten, sondern auch in einer Gemeinschaftsausstellung in Kairos "Hilton Nil", die im Rahmen der 5. Generalversammlung von OMJET (Mediterranean Organization of Tourism Journalists and Travel-Writers) Künstler aller Mittelmeerländer vorstellt. Der Deutsche wird mit der Ehrenmedaille für Spanien ausgezeichnet. 1995 stehen unter anderem eine Einzelausstellung in der Galerie "Henry" in Pau (Frankreich) und die Teilnahme an der internationalen Kunstmesse LINEART in Gent (Belgien) auf dem Programm.


1996 ist Zingraff auf der Kunstmesse ARTEXPO in Barcelona vertreten und richtet die Eröffnungsausstellung der Galerie Palais Munck in Karlsruhe aus. Der mit Zingraff befreundete, aus Funk und Fernsehen bekannte Dr. Alfred Sackmann halt die Eröffnungsrede. TV Baden berichtet ausführlich. Zingraff wird zu verschiedenen Fernsehprogrammen als Studiogast eingeladen.
In diesen Jahren werden Zingraffs Bilder in der Farbe intensiver und abwechslungsreicher. "Ich überlege, dass keine Farbkomposition gleich wie die andere ist, stelle bewusst ungewöhnliche Farbkombinationen zusammen, die dann im Gesamtzusammenhang stimmig sind."

Architektur-Stillleben

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"1001/87" (1998)
Bis etwa 1996 thematisiert Zingraff die Aufhebung von Raumkontinuum und visuelle Vieldeutigkeit radikal abstrakt. Ab 1997 nähern sich seine Bilder wieder dem Gegenständlichen: Kühle Klarheit im Aufbau und knappe Dosierung der Farbflächen legen die Assoziation imaginärer Gebäudeansichten nahe, obwohl sich die Bildelemente im schwebenden Gleichgewicht auch weiterhin vielfach den Regeln der Zentralperspektive widersetzen und die Identität der Dinge letztendlich wieder unbestimmbar bleibt. Flächen und Linien verschiedener Schwere erzeugen allein durch ihre Gegensätzlichkeit das Gleichgewicht dieser Kompositionen. Fläche, Körper und Raum durchdringen sich vielschichtig, Festes und Lichtes wachsen zu einer untrennbaren Einheit zusammen. In unbestimmt offenen Illusionsräumen sind Farbe und Volumen entstofflicht. Form und Lage der Flächenelemente sind so festgelegt, dass sie als ausgewogene Kompositionen zwar fest im Bildrechteck verankert sind, gleichzeitig aber auch ausdem Format drängen und zu Momentaufnahmen von Bewegungsabläufen, Ausschnitten einer großen, neuen Ordnung werden. Ort und Zeit bleiben in allen Zingraffschen Architektur-Stilleben rätselhaft - und entfalten weltentrückt Schönheit des Fremdartigen. Zingraffs Werke machen deutlich, dass Seherfahrungen einem ständigen Wandlungsprozess unterworfen sind. Keine optische Tatsache ist absolut.


1997 zeigt Zingraff Bilder in Friedberg (Frankfurt) und hat eine umfangreiche Einzelausstellung mit 65 Exponaten im städtischen Kulturzentrum in Alcoy (Alicante) unter dem Titel "Von der Vernunft zum Gefühl" (De la razón a la emoción). Zingraffs Linien und Farbe drängen aus der Fläche, geben dem Betrachter den "partiellen" Eindruck von starker Räumlichkeit. Doch diese ist ausschließlich gemalt. Noch.

Volumen und Licht als Realität

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Zingraff vor seinem Werk "108/99" (1999)
Ein entscheidender Schritt in seiner stilistischen Entwicklung gelingt dem Künstler 1999. Als logische Folge intensiv künstlerischen Suchens gehen seine Kompositionen nun tatsächlich aus der Fläche und schließlich auch aus dem herkömmlichen Bildformat. Tiefe, Volumen und Beleuchtung sind keine gemalten Illusionen mehr, sondern greifbare Realität. Bildteile verselbständigen sich, Flächen klappen auf, kippen um, neigen sich. Wand und Raum sind in die Werke einbezogen, auf der Rückseite angebrachte Lampen sorgen für reales Licht und realen Schatten. Und doch: Obwohl viele Elemente nun real vorhanden sind, hält das sinnlich ironische Spiel von Wirklichkeit und Täuschung, Ferne und Nähe, Tatsache und Einbildung an. Wieder ergeben sich ästhetische Neukombinationen, die trotz ihres hohen Anteils an konkreten Bestandteilen, neue Möglichkeiten vorführen, Raum gleichzeitig zu schaffen und ästhetisch aufzuheben. Antonio Gascó schreibt:
"Zingraff - ein Modellkonstruktivist von ausgewählter Eleganz, großer Sensibilität für klare Form und Farbe und vor allem einer Beherrschung des Raumes, der sich in eine ambivalente Anspielung auf Realität und Virtualität verwandelt. (...) Von diesem Blinkwinkel aus projiziert sich der Raum auf eine Unendlichkeit, die ihn unbegrenzt von der unanfechtbaren Kraft der Linie und der Farbflächen erscheinen lässt. Das Sonderbarste besteht darin, dass es dem Künstler gelingt, das Unbegrenzte einzufangen, indem er selbst die Ebene beschreibt, Abwechslung ins Spiel verwegener Schatten - sowohl der echten als auch der gemalten - gibt, um eine Anamorphose der Realität und der Erscheinung zu kreieren (bis hin zu diesen Elementen können wir ihn als einen Renaissance-Vertreter bezeichnen), die eine Architektur der Linien und Fläche einschließt, welche in strahlende Anspielungen voller Farbe verwandelt werden."


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Mit Schauspieler Alexander Kerst. Foyer-Galerie Kleine Komödie am Max II (1999)
Von August bis November 1999 sind Werke von Zingraff im Foyer der Kleinen Komödie in München zu sehen. 25-jähriges Bestehen, Wiedereröffnung nach Renovierung und Erweiterung feiert die Galerie Canem (Castellón) 2000 mit einer Einzelausstellung Zingraffscher Werke. Im selben Jahr ist eine Auswahl seiner Arbeiten im Hotel Berlin Müggelsee zusehen. Außerdem richtet er die Eröffnung des neuen Gebäudes der Galería Mona in Dénia aus. Im Juni 2001 erweist sich eine große Einzelausstellung im Kunstzentrum Atlántica in La Coruña als beachtlicher Publikums- und Verkaufserfolg. Bei der Vernissage wird der deutsche Künstler von Luis Caruncho, Museumsdirektor, Kunstkritiker und Künstlerkollege vorgestellt. Caruncho schreibt über Zingraff:
"(...) Die Wirklichkeit naturgetreu abzumalen, können viele. Aber Zingraff hat den schwierigeren Weg gewählt. Mit jedem seiner Bilder stellt er sich der Herausforderung der aufregenden Reize des Nichtentdeckten. Und das Ergebnis seines Oeuvres beinhaltet ganz ohne Zweifel die erhabene Wirklichkeit von bis dahin überwiegend unbekannten Formen, die eine neue Wirklichkeit sich steigernder Farbvibrationen werden, in der sich sicher viele Betrachter vertraut mit dem Künstler verständigen. Die Strukturen der Bilder von Hans-Dieter haben viel mit Geometrie zu tun. Aber man muss klar sehen, dass der Künstler die Geometrie als Mittel verwendet, nicht als Zweck. Dadurch, so meine ich, erzielen seine Arbeiten, die in einem anderen Sinne zu kalt und berechnet erscheinen könnten, poetische, warme und menschliche Ahnung, die ihnen unschätzbaren Wert verleiht."


Seit 2001 ist Zingraff Mitglied der vierköpfigen Künstlergruppe M.A.I. (Modern Art International. Zusammen mit Joao Alexandre aus Portugal, Joaquín Balsa aus Spanien und André Welch aus Frankreich stellt er gemeinsam aus, organisiert Ausstellungen usw. 2001 fanden M.A.I.-Präsentationen in Orense (Spanien) und Tomar (Portugal) , 2003 im Stadtmuseum von Lescar (Frankreich) statt. Manolo Perales, Rechtsanwalt in Alicante schreibt über den deutschen Künstler:
"Warum betonen die Kritiker immer wieder Zingraffs Kraft und geometrische Botschaft? Vielleicht, weil dies zur im höchsten platonischen Sinne zur Transzendenz führt. (...) Und im Sinne der Jungschen Psychoanalyse erfährt man durch Zingraffs Bilder symbolische Werte voller mystischer Kraft. Und diese wiederum verweisen auf ästhetische Werte, wie wir sie aus Kandinskys "Meisterklasse" in seinem Werk "Vom Geistigen in der Kunst" kennen. (...) Wenn wir Zingraffs Oeuvre unter diesen Gesichtspunkten analysieren, wird uns die Tiefe klar, zu der wir fähig sind."

¿Por qué la critica descrube constantemente en Zingraff la fuerza y el mensaje de su geometricidad? Quizás sea porque le lleva a lo trascendente, al mejor modo platónico. (...) Y siguiendo la línea de psicoanálisis jungiano, conocemos, a través de lo expuesto los valrores simbólicos de la pintura de Zingraff, desde su fuerza mística; y debe relacionarse con los valores estéticos que nos muestra, para lo que podemos tomar como norma ilustradora la 'lección' que da Kandinsky (...) Analicemos desde esos parámetros expuestos la obra pictórica de Zingraff, y nos desvelara la profundidad a la que seamos acapaces de llegar."

Reine Ästhetik

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Eröffnung der Ausstellung in L'Estació - Centro d'Art, Dénia (2002)
Eine große Retrospektive mit über 40 Werken zeigt Dénias Stadtverwaltung im Frühjahr 2002 im Museum des alten Bahnhofs. Zingraffs mehrteilige Installationen mit Leuchtstoffröhren, Abstraktes und Gegenständliches in einen neuen Zusammenhang rücken, sorgen für Aufsehen, sind aber nur eine weitere Etappe auf dem konsequenten Weg dieses Künstlers. Im Oktober präsentiert die Stadtverwaltung von Almussafes (Valencia) Werke Zingraffs unter dem Titel "La Geometria de la Intimidad". Im Katalog schreibt E. Cerdan Tato, Journalist und Kunstkritiker der Europäischen Akademie der Künste, Natur- und Geisteswissenschaften:


"(...) Die Geschichte führt uns zum Bauhaus, von Gropius bis Kandinsky, Fotografie und Design, angewandte Kunst und Film: Alles eine herrliche Revolution - und keine Revolution ohne Widersprüche. Und davon lässt sich Hans-Dieter Zingraff anregen. Auf diese glänzenden Würfe bezieht sich Hans-Dieter Zingraff und findet darin seine Zukunft, denn seine Kunst ist ein neues, eigenwilliges Konzept des Konstruktivismus, in dem sich die Geometrie ganz vertraut zeigt, in Strenge und Weisheit klassischer Gedichte und kühner Mathematik. Die Kompositionen Zingraffs entwickeln sich als Schöpfung und Entwicklung eines Universums, das auf mathematischen Prinzipien beruht, sich ausdehnt und erst dort endet, wo die Vorstellungskraft des Betrachters aufhört. Zingraffs Universum ist von reiner, ungetrübter Ästhetik, die weder Zugeständnisse noch Schrillheit zulässt. Warme, weiche Farbigkeit, ausgefeilte, meisterhaft beherrschte Collagetechnik und Einbeziehung des das Werk umgebenden Raumes - alles Beweise von Kühnheit und Kreativität, die sich nur ein fleißiger und sensibler Künstler erlauben kann. Betrachtet man Zingraffs Bilder, Gleichgewicht und Dynamik ihrer Strukturen, dann betrachtet man ein ganzes Universum, wo Gefühl wieder Sinn bekommt: manchmal als geometrische Figur, manchmal in der Krümmung des Raumes, die die genaue Proportion des Lebens bewahrt."


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Mit Schauspieler Thomas Fritsch Theater am Dom, Köln (2002)
Im November 2002 präsentiert das Theater am Dom in Köln Bilder von Zingraff.


In den Jahren 2002/2003 entstehen eine Reihe von Bildern aus Teilen, die für sich abgeschlossene Einzelelemente bilden, aber erst in der Verbindung mit dem Ganzen ihre räumlichen und farblichen Reize preisgeben. 2003 ist Zingraff erstmals auf der internationalen Kunstmesse in Madrid vertreten. Zu diesem Anlass schreibt Kunstkritiker Antonio de Santiago:
"Als Beobachter und überzeugte Bewunderer (so betrachten wir uns seit vielen Jahren, seit seiner ersten Einzelausstellung in Madrid 1983) der Kunst dieses sehr eigenwilligen Künstlers, haben wir schon lange gewünscht, seine Werke auf der ARCO, der international genommierten Messe für zeitgenössische Kunst vertreten zu sehen. Auf der ARCO 2003 war es endlich so weit. Seine Werke waren am Stand der Galeria Canem aus Castellón zu sehen, und es scheint nicht das letzte Mal gewesen zu sein ...
Hans Dieter Zingraff (1947 in Karlsruhe/Deutschland geboren, seit 1972 an der Alicantiner Küste in Dénia lebend) ist einer der vortrefflichsten Vertreter des europäischen Konstruktivismus, jener mathematisch-technischer Kunstrichtung die 1920/21 der Russe Tatlin begründete, von den Gruppe "De Stijl" und "Bauhaus" weitergeführt wurde und bis heute unendlich viele Möglichkeiten malerischer Werte bietet. Die Entwicklung war kontinuierlich und beeinflusste auch spätere Tendenzen wie "Pop Art" oder "Minimal Art" usw. Gegenwärtig erfreut sich der Konstruktivismus großer Anerkennung und Wertschätzung.


Zingraff und seine eigenwilligen geometrischen Abstraktionen ("abstrahierend und geometrisierend erreichte man den Konstruktivismus als weitere Konsequenz des Kubismus) lassen den Betrachter nicht kalt. Sie ziehen an, halten fest und laden zur Meditation ein, weil man in ihnen Aufrichtigkeit und Ordnung spürt, gewissenhaftes Arbeiten, sorgfältige Konstruktion, feinste und reinste Umsetzung ... Die künstlerische Entwicklung Zingraff ist konstant, in seinem langen Werdegang immer schlüssig und immer bereichernd. In seinen neueren Werken überrascht er uns mit neuen Farben und Nuancen sowie "entdeckten Perspektiven", die seine Räume noch weiter öffnen. Weiterer wichtiger Beitrag dieses Künstlers ist stetige Lebendigkeit des Konstruktivismus dank beharrlicher Ausdauer. Seine große Retrospektive der letzten 23 Jahren fand 2002 unter dem Titel "Raum und Licht" statt. Ein großartiger, absolut treffender und ausdrucksstarker Titel. Das Leitmotiv oder die Grundregel, die seine Arbeiten definiert. Eine Kunst mit unermesslichen Toren ... ."